Das Gefängnis auf Robben Island: hinter diesen Mauern saßen die Männer, die später Südafrika regierten
Kurz gesagt
Das Gefängnis auf Robben Island ist das Hochsicherheitsgefängnis, in dem das Apartheidregime Südafrikas von den 1960er-Jahren bis Mai 1991 seine politischen Gefangenen festhielt. Nelson Mandela saß hier 18 Jahre. Gebaut haben es die Häftlinge selbst, mit Stein aus den Steinbrüchen der Insel. Seit 1996 ist es endgültig geschlossen, und hinein kommst du heute nur mit der Führung des Robben Island Museum. Sie endet vor Mandelas Zelle; buchen kannst du sie bei Tiqets.
Was war das Gefängnis auf Robben Island?
Das Hochsicherheitsgefängnis, offiziell Maximum Security Prison, steht auf Robben Island, einer flachen Insel in der Table Bay rund 11 km vor Kapstadt. Von den 1960er-Jahren bis 1991 schickte das Apartheidregime die Männer hierher, die es am meisten fürchtete: Anführer und Mitglieder der Befreiungsbewegungen, vom ANC und dem Pan Africanist Congress (PAC) über das Black Consciousness Movement bis zur namibischen SWAPO.
Am 24. März 1961 übernahm die Gefängnisbehörde die Insel von der Armee, und nach drei Jahrzehnten ohne Häftlinge wurde Robben Island wieder ein Gefängnis. Der Staat baute gleich zwei: ein Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene und eines mittlerer Sicherheitsstufe für gewöhnliche Straftäter. Wer vom „Gefängnis auf Robben Island“ spricht, meint fast immer das erste: das Gefängnis, durch das heute die Museumsführung geht. Die Online-Ausstellung des Museums zur Gefängnistour beziffert die Zahl der politischen Gefangenen, die hier saßen, auf mehr als 3.000.
Das Gefängnis sollte seine Insassen von der Welt abschneiden, und das begann schon am Jetty 1 im Hafen von Kapstadt. In den ersten Jahren kettete man die Häftlinge dort an Bänke, während sie auf das Boot warteten, weil der Wellblechschuppen keine sicheren Zellen hatte. Kapstadt und der Tafelberg liegen auf der anderen Seite der Bucht in Sichtweite, doch am Inselhafen bauten die Gefangenen selbst eine hohe Mauer, die genau diesen Blick verstellt. Gleich daneben stehen noch die Gebäude aus den 1960er-Jahren, in denen Angehörige und Anwälte zu ihren seltenen Besuchen empfangen wurden.

Das Gefängnistor mit dem alten Schild „We serve with pride“
Wer saß vor 1961 auf Robben Island gefangen?
Das Apartheidgefängnis ist nur das letzte Kapitel. Gefangen gehalten wurden Menschen auf der Insel schon mehr als drei Jahrhunderte früher, und das Museum erzählt diese ganze Zeit als eine einzige Geschichte der Verbannung.
Die ersten Sträflinge und die ersten politischen Gefangenen
Die ersten Gefangenen der Insel waren 1615 zehn englische Sträflinge, so die Seite des Robben Island Museum über die ersten Gefangenen von 1615 bis 1657. 1657 mussten Sklaven und Verbannte dort den weißen Stein brechen, und im Mai desselben Jahres kam mit Eva, einer Sklavin, die angeblich aus Madagaskar stammte, die erste Frau als Gefangene auf die Insel.
Am 10. Juli 1658 setzten die Niederländer Autshumato, den Anführer der als Strandlopers bekannten Khoikhoi-Gruppe, zusammen mit zwei Gefährten, Jan Cou und Boubo, auf der Insel aus. Das Museum nennt sie die ersten politischen Gefangenen von Robben Island. Autshumato hatte zwischen Jan van Riebeecks Siedlung und den Khoikhoi vermittelt; nach Darstellung des Museums schickte man ihn auf die Insel, um Unruhe zwischen beiden Seiten zu unterbinden.
Verbannte aus dem Osten und der Xhosa-Anführer Makhanda
1744 kamen die ersten muslimischen Geistlichen, verurteilt von den Gerichten in Batavia, der Hauptstadt von Niederländisch-Ostindien. Der Moturu Kramat, das Heiligtum mit der grünen Kuppel nahe dem Gefängnis, erinnert an einen weiteren muslimischen Verbannten: Sayed Abdurahman Moturu, den Prinzen von Madura, der 1754 auf der Insel starb.
1819 ließ der britische Gouverneur Lord Charles Somerset den Xhosa-Anführer Makhanda, auch Makana oder Nxele genannt, nach Robben Island bringen. Nach weniger als einem Jahr versuchte er zu fliehen und soll dabei ertrunken sein.
Lepra, Krieg und drei Jahrzehnte ohne Gefängnis
Ab 1845 nahm die Insel auch Leprakranke, Arme und psychisch Kranke auf. Die Leprastation schloss 1931. Im Zweiten Weltkrieg baute man die Insel zur Festung aus, die Kapstadt verteidigen sollte. Von 1931 bis 1960 gab es dort kein Gefängnis, zum einzigen Mal in ihrer neueren Geschichte. Die ganze Geschichte, von 1488 bis zum Museum, steht in unserem Artikel zur Geschichte von Robben Island.
Wie das Gefängnis gebaut und angelegt war
Der Ou Tronk, das alte Gefängnis
Bevor das Steingefängnis stand, saßen die Häftlinge im Ou Tronk, Afrikaans für „altes Gefängnis“. Anfangs waren das fünf lange Holzbaracken aus dem Zweiten Weltkrieg mit Küche und Waschräumen, in denen gewöhnliche und politische Gefangene untergebracht waren. In den 1960er-Jahren kamen als Übergangslösung acht verputzte Backsteinbauten hinzu. Die Männer, die hier saßen, brachen, gruben und schnitten den Stein, aus dem das dauerhafte Gefängnis entstand.
Daneben stand der Zink Tronk, ein großer rechteckiger Bau aus Wellblech aus den 1960er-Jahren. Um einen Innenhof lagen Gemeinschaftszellen, eine Bibliothek, Waschräume und eine Krankenstation, an jeder Ecke ein Wachposten. Später wurde er abgerissen.
Das Hochsicherheitsgefängnis
Das Maximum Security Prison entstand Anfang der 1960er-Jahre westlich von Murray's Bay Harbour. Politische und gewöhnliche Häftlinge bauten es mit Stein und Schotter aus den beiden Steinbrüchen der Insel, dem Jan van Riebeeck Quarry und dem Bluestone Quarry.
Der Grundriss war einfach und unerbittlich. Vier H-förmige Blöcke beherbergten die allgemeinen Sektionen, mit Gemeinschaftszellen für je 52 Gefangene. Ein U-förmiger Isolationstrakt hatte rund 90 Einzelzellen. Rundherum lagen ein Krankenhaus, die Verwaltung, eine Küche und ein Speisesaal, dazu fünf Wachtürme, ein doppelter Zaun von fünf Metern Höhe und drei Meter hohe Mauern zwischen den Höfen.
- 4Allgemeine Sektionen, Zellen für je 52 Mann
- ca. 90Einzelzellen im Isolationstrakt
- 5Wachtürme
- 5 mHöhe des doppelten Zauns
Die Sektionen A, B und C und die allgemeinen Sektionen
Im Gefängnis gab es zwei Welten. Die meisten politischen Gefangenen lebten in den allgemeinen Sektionen, den H-förmigen Blöcken mit Gemeinschaftszellen, die Buchstaben wie F und G trugen. Eine kleinere Gruppe saß im Isolationstrakt in Einzelzellen. Mitte der 1970er-Jahre wurde dieser Trakt in drei Sektionen geteilt.

Ein steinerner Wachturm am Gefängniszaun
Sektion A
In der Sektion A saßen junge Gefangene des Black Consciousness Movement und von Umkhonto we Sizwe (MK), dem bewaffneten Arm des ANC.
Sektion B, die Sektion der Anführer
Die Sektion B im Ostflügel hieß Leadership Section. Hier saßen die Anführer der Befreiungsbewegungen in Einzelzellen, von 1964 bis 1982 auch Nelson Mandela. Den ersten Entwurf seiner Autobiografie, „Der lange Weg zur Freiheit“, versteckten die Gefangenen im Garten der Sektion B. In dieser Sektion endet die Museumsführung. Mandelas 18 Jahre in diesem Flügel erzählen wir auf einer eigenen Seite: Nelson Mandela auf Robben Island.
Sektion C, „Khulukuthu“
Die Sektion C war die Strafabteilung. Die Gefangenen nannten sie Khulukuthu. Hier landete, wer in Einzelhaft kam oder zur Strafe auf gekürzte Rationen gesetzt wurde.

Der Hof der Sektion B, in der die Anführer des Widerstands saßen
Der Alltag hinter Gittern: Arbeit, Lernen und Nachrichten
Zwangsarbeit in den Steinbrüchen
Die politischen Gefangenen arbeiteten in den Steinbrüchen der Insel. Ab 1963 mussten die Häftlinge der allgemeinen Sektionen in den Kalksteinbruch, den Lime Quarry, landeinwärts von Murray's Bay Harbour. Später traten die Anführer der Sektion B an ihre Stelle, und die allgemeinen Sektionen kamen in den Bluestone Quarry. Mit dem Kalk wurden vor allem die Straßen der Insel ausgebessert. Der Kalksteinbruch liegt an der Strecke der Busrundfahrt.
Schon der Weg zur Arbeit diente der Kontrolle. Der Hauptweg vom Gefängnis zum Bluestone Quarry war ein schmaler Gang, an den Seiten und oben vergittert, links und rechts Wachhunde; Stümpfe der Pfosten sind noch zu sehen. Am Bluestone Quarry schütteten die Gefangenen außerdem einen Damm aus Stein, Kies und Sand gegen das Meer auf, den ein Sturm 2001 durchbrach. Mitte der 1970er-Jahre endete die Schwerstarbeit, und die alten Gebäude des Ou Tronk wurden zu Werkstätten, in denen die Häftlinge das Maurer-, Installateur- und Tischlerhandwerk lernten.
Lernen als Widerstand
Die Gefangenen unterrichteten sich gegenseitig, in festen Kursen und ganz informell. Ihre Alphabetisierungskampagne sollte dafür sorgen, dass kein Mann die Insel verließ, ohne lesen und schreiben zu können, und nach Angaben des Museums gab es nach vier Jahren unter den Häftlingen keine Analphabeten mehr. 1973 zogen zwei Gefangene, Sonny Venkatrathnam und Kader Hassim, gegen die Gefängnisleitung vor Gericht: Lernen und Freizeit seien Rechte, keine Vergünstigungen. Sie gewannen.
Manche Bücher enthielten mehr, als ihr Titel verriet. Sonny Venkatrathnam tarnte eine Gesamtausgabe von Shakespeare als hinduistisches Andachtsbuch, und sie ging im Gefängnis von Hand zu Hand. Unterricht in Biologie, Geschichte und anderen Fächern fand sogar in den Steinbrüchen statt, während die Männer arbeiteten.
Gärten, Fußball und Tennis
Nach langem Ringen durften die Gefangenen in einigen Höfen Gärten anlegen, unter anderem im Isolationstrakt, in der Sektion D und im Gefängniskrankenhaus. Im Hof des Krankenhauses wächst noch heute ein Weinstock. Mit der Zeit kamen vier Fußballplätze und sechs Tennisplätze dazu, zwei davon von Häftlingen der Sektionen A und B gebaut. Den Fußball organisierten die Gefangenen selbst, in ihrer eigenen Makana Football Association.
Nachrichten von draußen
Nachrichten von draußen waren für politische Gefangene verboten. Die Gefangenen beschafften sie heimlich und gaben sie im Gefängnis weiter. Das Museum zählt dieses Netz zu ihren Formen des Widerstands, neben Hungerstreiks, Petitionen, politischen Diskussionen und geheimen Parteistrukturen.
Das Wenige teilen
In den Einzelzellen teilten die nichtafrikanischen Häftlinge, die mehr und besseres Essen bekamen, ihre Rationen gleichmäßig mit allen, gegen die ausdrückliche Gefängnisordnung. Außerdem gab es eine Art Sparkasse, die „Kolgos box“, aus der Lebensmittel und Toilettenartikel an die Männer gingen, die am wenigsten hatten.
Die Gefangenen bauten die Mauern, die sie einschlossen.
Wie war das Leben im Gefängnis? Essen, Kleidung, Briefe und Besuche
Die Regeln sollten demütigen, nicht nur einsperren, und selbst im Gefängnis galten die Rassenkategorien der Apartheid.
Essen nach Hautfarbe
Das Essen war knapp und schlecht, und wie viel man bekam, hing von der Hautfarbe ab. Laut Museum erhielten weiße Häftlinge täglich 4 Unzen (gut 110 g) Maismehl oder Maisreis und 7 Unzen Fleisch oder Fisch. Farbige und indische Häftlinge bekamen 14 Unzen Maismehl oder Reis am Tag und viermal pro Woche 6 Unzen Fleisch oder Fisch. Afrikanische Häftlinge bekamen 12 Unzen Maismehl oder Reis am Tag und viermal pro Woche nur 5 Unzen Fleisch oder Fisch. Oft bestraften die Wärter die Gefangenen, indem sie ihnen die Essensmarken abnahmen: Dann blieb man an diesem Tag hungrig.
Kleidung und Betten
An Kleidung gab es nur das Nötigste. Afrikanische Häftlinge bekamen kurze Hosen, Unterwäsche bekam niemand. Betten gab es nicht: Bis 1979 schliefen die Männer auf dünnen Matten auf dem Zementboden. Jeden Tag mussten sie sich ausziehen und herumspringen, um zu zeigen, dass sie nichts versteckten. Die Wärter nannten diese Durchsuchung „tauza“.
Briefe und Besuche
Briefe wurden zensiert, Wörter geschwärzt oder ausgeschnitten. Besuche fanden im Besucherzentrum am Hafen statt, ohne Körperkontakt: Der Häftling saß auf der einen Seite einer dicken Glasscheibe, der Besucher auf der anderen, und sie sprachen über eine Sprechanlage miteinander. Ab 1975 durften nur noch Verwandte ersten Grades kommen. Erst ab 1983 erlaubte man Häftlingen der Kategorie A Besuche mit Körperkontakt, in kleinen Räumen desselben Zentrums.
Lernen unter Auflagen
Als offene körperliche Misshandlung nicht mehr geduldet wurde, verlegten sich die Behörden auf andere Mittel: Sie unterbrachen das Studium, zensierten Briefe und Besuche und verweigerten Zeitungen. 1969 wurde jedes Aufbaustudium gestoppt, und Geschichte, Jura und Politikwissenschaft durften die Gefangenen nicht einmal im Grundstudium belegen.
Strafen und Isolation
Strafe hieß Sektion C: Einzelhaft und gekürzte Rationen. Eine andere Strafe war das Landbou, ein sandiges Gelände südwestlich des Gefängnisses beim Kalksteinbruch. Dort mussten die Männer beladene Schubkarren ziellos durch den weichen Sand schieben, während die Wärter sie schlugen. Unter Oberst Badenhorst, Kommandant von 1970 bis 1972, wurden die Bedingungen wieder schlimmer.
Am härtesten isoliert war ein Mann, der gar nicht in den Zellenblöcken saß. Robert Sobukwe, der Gründer des Pan Africanist Congress, saß von 1963 bis 1969 in einem kleinen Haus abseits der Zellen, einem Bau aus dem Zweiten Weltkrieg. Er durfte mit niemandem sprechen, nicht einmal mit den Wachen, und seine Haft wurde jedes Jahr durch ein Sondergesetz verlängert, das als Sobukwe Clause bekannt wurde. Sein Haus liegt an der Strecke der Busrundfahrt.
Wie sich die Bedingungen änderten
Die Bedingungen änderten sich, aber nur, weil die Gefangenen es erzwangen. Zwischen 1962 und 1966 waren die Misshandlungen am schlimmsten, Sport oder Freizeit gab es überhaupt nicht; 1966 traten rund tausend Gefangene in einen Massenhungerstreik, und langsam wurde es besser. Der Prozess, den Venkatrathnam und Hassim 1973 gewannen und in dem sie auch Einzelhaft ohne Anhörung und den willkürlichen Entzug von Mahlzeiten anfochten, verschob das Kräfteverhältnis zwischen Gefangenen und Wärtern. Das Museum fasst das Ergebnis so zusammen: Die Behandlung sei „allmählich menschlicher“ geworden, mit dem Recht zu lernen, mit Gärten, Sport und schließlich Betten.


Berühmte Häftlinge von Robben Island
Die Liste der Männer, die durch Robben Island gingen, liest sich wie die Geschichte des modernen Südafrika. Drei von ihnen wurden später Präsidenten des Landes, viele weitere Minister, Premierminister einer Provinz oder Richter. Unsere Liste nennt sie einzeln: Häftlinge von Robben Island, die später hohe Staatsämter übernahmen.
Nelson MandelaHäftling 466/64, auf der Insel 1964-1982
Walter SisuluVerurteilt im Rivonia-Prozess, auf der Insel 1964-1982
Robert SobukweGründer des PAC, isoliert 1963-1969
Jacob ZumaAuf der Insel 1963-1973, Präsident 2009-2018
Kgalema MotlantheAuf der Insel 1977-1987, Präsident 2008-2009
Herman Toivo ja ToivoSWAPO-Anführer, freigelassen am 29. Februar 1984
Nelson Mandela, Häftling 466/64
Mandela kam am 13. Juni 1964 auf die Insel, in der Nacht nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft am Ende des Rivonia-Prozesses, und blieb bis zum 31. März 1982, als man ihn ins Pollsmoor-Gefängnis auf dem Festland verlegte: 18 seiner 27 Haftjahre. Seine Nummer 466/64 bedeutete, dass er der 466. Häftling war, der 1964 eintraf, wie die Nelson Mandela Foundation in ihrem Bericht über seine Ankunft auf der Insel festhält. Schon 1963 war er einmal für etwa zwei Wochen hier gewesen. Seine Zelle, den Kalksteinbruch und das Wiedersehen von 1995 erzählen wir ausführlich auf der Seite über Mandelas Jahre auf Robben Island.
Walter Sisulu, Ahmed Kathrada und die Verurteilten von Rivonia
Mit Mandela kamen sechs Männer, die mit ihm verurteilt worden waren: Walter Sisulu, Ahmed Kathrada, Govan Mbeki, Raymond Mhlaba, Elias Motsoaledi und Andrew Mlangeni. Der achte, Denis Goldberg, war weiß und kam stattdessen in ein Gefängnis in Pretoria. Sisulu, Mhlaba und Mlangeni wurden 1982 mit Mandela nach Pollsmoor verlegt, Kathrada folgte ihnen im Oktober.
Robert Sobukwe
Der Gründer des Pan Africanist Congress saß von 1963 bis 1969 allein in einem Haus auf der Insel und durfte mit niemandem sprechen. Sein Haus liegt an der Strecke der Busrundfahrt.
Jacob Zuma und Kgalema Motlanthe
Zwei spätere Präsidenten Südafrikas. Zuma verbrachte zehn Jahre auf der Insel, von Dezember 1963 bis Dezember 1973, Motlanthe ebenfalls zehn, von Juli 1977 bis April 1987. Motlanthe war von 2008 bis 2009 Präsident, Zuma von 2009 bis 2018.
Herman Toivo ja Toivo und die namibischen Gefangenen
Auf Robben Island saßen auch Namibier der SWAPO, der Bewegung, die gegen die südafrikanische Besetzung Namibias kämpfte. Die erste Gruppe, 1968 verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt, kam in den Zink Tronk, eines der ungesündesten Gebäude der Insel, wo sich einige mit Tuberkulose ansteckten. Ihr Anführer Toivo ja Toivo saß mit Mandela in der Sektion B; ein Foto des Museums von 1977 zeigt die beiden Seite an Seite bei der Gartenarbeit, während eines der seltenen Pressebesuche. Toivo kam am 29. Februar 1984 frei, nach 16 Jahren seiner 20-jährigen Haftstrafe, und wollte die Insel zunächst nicht ohne seine Genossen verlassen. Die übrigen namibischen Gefangenen folgten im Mai 1984.
Vor der Apartheid: Autshumato, Tuan Guru, Makhanda und Maqoma
Zu den früheren Gefangenen der Insel gehörten Autshumato, den die Niederländer ab 1658 festhielten; Tuan Guru, ein Prinz aus Tidore und später der erste Oberimam am Kap, der von 1780 bis 1793 hier saß und auf der Insel ein Buch über islamisches Recht schrieb; der Xhosa-Anführer Makhanda, 1819 hierher verbannt; und der Xhosa-Häuptling Maqoma, der mit seiner Frau Katyi für 21 Jahre auf die Insel verbannt wurde. Das Museum rechnet sie alle derselben langen Geschichte politischer Haft zu.
Wie lange eine Haft auf der Insel dauern konnte, zeigt der Vergleich.
- Maqoma, Xhosa-Häuptling21 Jahre
- Nelson Mandela18 Jahre (1964-1982)
- Tuan Guru13 Jahre (1780-1793)
- Jacob Zuma10 Jahre (1963-1973)
- Kgalema Motlanthe10 Jahre (1977-1987)
- Robert Sobukwe6 Jahre (1963-1969)
Quellen: Robben Island Museum, Nelson Mandela Foundation, SA History Online. Mandelas zwei Wochen auf der Insel 1963 sind nicht mitgezählt.

Licht fällt durch die vergitterten Fenster des Gefängnisses
Das Gefängnis auf Robben Island in zwölf Daten
- 1615
Zehn englische Sträflinge sind die ersten Gefangenen auf der Insel.
- 1658
Die Niederländer setzen Autshumato fest, den ersten politischen Gefangenen.
- 1819
Die Briten verbannen den Xhosa-Anführer Makhanda auf die Insel.
- 1961
Das Apartheidregime macht die Insel wieder zum Gefängnis.
- 1964
Am 13. Juni treffen Nelson Mandela und die anderen Verurteilten von Rivonia ein.
- 1966
Rund tausend Gefangene treten in einen Massenhungerstreik.
- 1979
Betten ersetzen die Matten, auf denen die Häftlinge bis dahin schliefen.
- 1982
Am 31. März wird Mandela ins Pollsmoor-Gefängnis auf dem Festland verlegt.
- 1984
Die namibischen politischen Gefangenen kommen frei.
- 1991
Im Mai verlassen die letzten politischen Gefangenen Robben Island.
- 1996
Das Gefängnis für gewöhnliche Straftäter schließt.
- 1997
Robben Island wird Museum, 1999 folgt die Aufnahme ins UNESCO-Welterbe.

Zellenblöcke hinter Stacheldraht: Seit 1996 sitzt hier niemand mehr
Wann wurde das Gefängnis auf Robben Island geschlossen?
In zwei Schritten. Die letzten politischen Gefangenen verließen Robben Island im Mai 1991, gut ein Jahr nachdem Mandela am 11. Februar 1990 aus dem Victor-Verster-Gefängnis entlassen worden war. Das Gefängnis mittlerer Sicherheitsstufe für gewöhnliche Straftäter blieb bis 1996 in Betrieb.
1997 wurde die Insel zum Robben Island Museum und zum Nationaldenkmal. 1999 nahm die UNESCO sie in die Welterbeliste auf, als erste Stätte, die Südafrika vorgeschlagen hatte. Seit 1996 sitzt auf Robben Island niemand mehr ein.
Das Gefängnis mittlerer Sicherheitsstufe
Dieses Gefängnis war die zweite, weniger bekannte Hälfte des Systems: Hier saßen Männer, die wegen gewöhnlicher Straftaten verurteilt waren, nicht wegen ihrer Politik. Es bestand fünf Jahre länger als das politische Gefängnis. Das Gebäude am Nordrand des Dorfes stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und diente ab Ende der 1960er-Jahre als Gefängnis, hinter drei Meter hohen Mauern mit Stacheldraht. Heute ist es ein Bildungszentrum mit Vortragsraum, Kunstatelier und Unterkünften. Die Führung des Museums geht nur durch das Hochsicherheitsgefängnis.

Stacheldraht und Wachturm, dahinter die Kuppel des Moturu Kramat
Das Gefängnis heute besichtigen
Es gibt nur einen Weg hinein: die Führung des Robben Island Museum. Die Fähre legt am Nelson Mandela Gateway an der V&A Waterfront ab und kommt in Murray's Bay Harbour an. Von dort fahren Busse über die Insel, vorbei am Friedhof der Leprakranken, am Kalksteinbruch, an Robert Sobukwes Haus und am Bluestone Quarry. Den letzten Teil der Tour gehst du zu Fuß durch das Hochsicherheitsgefängnis, und er endet in der Sektion B mit einem Blick in Mandelas Zelle. Mit den Fährfahrten dauert der ganze Besuch etwa 3,5 bis 4 Stunden. Wie die Tour Station für Station abläuft, liest du in unserem Artikel zur Robben Island Tour.
Der Besuch beginnt auf dem Festland, im Clock Tower Precinct der Waterfront:
Nelson Mandela Gateway, Abfahrt der Fähre zum Gefängnis
In Google Maps öffnenWer dich führt
Im Gefängnis ist der Guide oft ein ehemaliger politischer Gefangener, der dir die Zellen so zeigt, wie er sie selbst erlebt hat. Nicht jede Gruppe bekommt einen, denn diese Männer sind inzwischen alt.
Tickets und Abfahrtszeiten
Vom 1. September bis 30. April fahren die Fähren um 9, 11, 13 und 15 Uhr, vom 1. Mai bis Ende August um 9, 11 und 13 Uhr, je nach Wetter. Du kannst die Fähre mit Gefängnisbesuch bei Tiqets buchen, ab 42,50 €, mit Überfahrt, Busrundfahrt über die Insel und Führung durch das Gefängnis; das Ticket ist in wenigen Minuten auf dem Handy. Stehen deine Tage in Kapstadt noch nicht fest, nimm das flexible Ticket für 65 €: Bis 24 Stunden vorher kannst du es kostenlos stornieren oder umbuchen.
Weitere Möglichkeiten, von der Tour mit Hoteltransfer bis zu Tagesausflügen in Kapstadt, findest du auf unserer Seite zu den Robben Island Tickets, und für die Überfahrt gibt es einen eigenen Artikel zur Fähre nach Robben Island. Was andere berühmte Gefängnismuseen der Welt an Eintritt verlangen, zeigt unser Vergleich der Eintrittspreise von Gefängnismuseen.
Da die Tour einem festen Fahrplan folgt, kannst du vorher ausrechnen, wann du wieder auf dem Festland bist:
Wann bin ich zurück an der Waterfront?
Wähle deine Abfahrt:
Wähle eine Uhrzeit, dann siehst du, wann du zurück bist.
Geschätzt für einen Besuch von 3,5 bis 4 Stunden. Abfahrtszeiten der Hauptsaison, wetterabhängig.
Bevor du losgehst
Nimm Reisepass, Personalausweis oder Führerschein mit: Ohne Ausweis kommst du nicht an Bord. Sei mindestens 30 Minuten vor der Abfahrt am Gateway, denn die Tore schließen 10 Minuten vor dem Ablegen. Private Fotos sind im Gefängnis erlaubt, Drohnen und Stative nicht. Welche Einrichtung das Gefängnis heute betreut und welche Touren sie sonst anbietet, steht auf unserer Seite zum Robben Island Museum.
Häufige Fragen zum Gefängnis auf Robben Island
Ist Robben Island heute noch ein Gefängnis?
Nein. Die letzten politischen Gefangenen verließen die Insel im Mai 1991, das Gefängnis mittlerer Sicherheitsstufe für gewöhnliche Straftäter schloss 1996. Seit 1997 ist die Insel ein Museum, seit 1999 UNESCO-Welterbe.
Wann wurde das Gefängnis auf Robben Island gebaut?
Das Hochsicherheitsgefängnis entstand Anfang der 1960er-Jahre. Gebaut haben es politische und gewöhnliche Häftlinge, mit Stein aus den Steinbrüchen der Insel. Bis es fertig war, saßen die Gefangenen in älteren Gebäuden wie dem Ou Tronk, einer Gruppe von Holzbaracken aus dem Zweiten Weltkrieg.
Wer saß auf Robben Island im Gefängnis?
Während der Apartheid die Männer, die gegen sie kämpften: Nelson Mandela, Walter Sisulu, Ahmed Kathrada, Govan Mbeki, Robert Sobukwe und die späteren Präsidenten Jacob Zuma und Kgalema Motlanthe. Jahrhunderte früher waren hier schon der Khoikhoi-Anführer Autshumato, der Xhosa-Anführer Makhanda und muslimische Geistliche aus Niederländisch-Ostindien verbannt.
Wo liegt das Gefängnis von Robben Island?
Auf Robben Island in der Table Bay, rund 11 km von Kapstadt und knapp 7 km vor Bloubergstrand. Das Gefängnis steht westlich von Murray's Bay Harbour, wo die Fähre des Museums anlegt.
Kann man die Zelle von Nelson Mandela sehen?
Ja. Die Standardtour endet in der Sektion B, wo du einen Blick in die Zelle werfen kannst, in der Mandela von 1964 bis 1982 schlief. Das Museum veröffentlicht keine Zellennummer, deshalb nennen Reiseführer unterschiedliche Nummern.
Wer führt durch das Gefängnis?
Oft ein ehemaliger politischer Gefangener. Nicht jede Gruppe hat dieses Glück: Die Männer, die hier einsaßen, sind inzwischen alt, und manche Führungen übernehmen Mitarbeiter des Museums.
Wie wurden die Häftlinge auf Robben Island behandelt?
Hart. Sie leisteten Zwangsarbeit in den Steinbrüchen, afrikanische Häftlinge bekamen weniger zu essen und nur kurze Hosen, Unterwäsche bekam niemand. Bis 1979 schliefen alle auf Matten am Boden, und in der Sektion C drohten Einzelhaft und gekürzte Rationen. Besser wurde es nur langsam: nach einem Massenhungerstreik 1966 und nach Petitionen und Prozessen, die die Gefangenen selbst anstrengten.
Wie viele politische Gefangene saßen auf Robben Island?
Die Online-Ausstellung des Robben Island Museum nennt mehr als 3.000 politische Gefangene zwischen 1961 und 1991. Sie gehörten ganz unterschiedlichen Befreiungsbewegungen an; nach dem Aufstand von Soweto im Juni 1976 kam eine neue Welle junger Häftlinge.
Durften die Häftlinge auf Robben Island Besuch bekommen?
Selten, und ohne jeden Körperkontakt. Besuche fanden im Besucherzentrum am Hafen hinter einer Glasscheibe statt, gesprochen wurde über eine Sprechanlage, und ab 1975 durften nur noch Verwandte ersten Grades kommen. Besuche mit Körperkontakt für Häftlinge der Kategorie A gab es erst ab 1983.
Wie erfuhren die Häftlinge, was draußen geschah?
Nachrichten waren verboten, also sammelten die Gefangenen sie heimlich und reichten sie von Sektion zu Sektion weiter. Das Museum zählt dieses geheime Nachrichtennetz zu den Formen des Widerstands im Gefängnis, neben Hungerstreiks und politischen Diskussionen.
Wie buche ich einen Besuch im Gefängnis von Robben Island?
Das Gefängnis gehört zur Standardtour, zusammen mit der Fähre und der Busrundfahrt über die Insel. Du kannst Fähre und Gefängnisführung bei Tiqets buchen, ab 42,50 €; das flexible Ticket für 65 € kannst du bis 24 Stunden vorher kostenlos stornieren oder umbuchen.
Andrea SemonellaGeboren und aufgewachsen in Genua, Mitgründer von Benicool, einem Unternehmen, das unabhängige Reiseführer zu großen Kulturstätten herausgibt. Er war auf allen Kontinenten unterwegs und schreibt darüber, wie man diese Orte besucht, ohne Zeit oder Geld zu verschwenden.
Porträts der berühmten Häftlinge, zugeschnitten und in Schwarz-Weiß: Mandela, Kingkongphoto & www.celebrity-photos.com, 1994, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons; Sisulu, Commonwealth of Learning, 1991, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; Sobukwe, unbekannter Fotograf, vor 1960, gemeinfrei, via Wikimedia Commons; Zuma, Etienne Ansotte, 2012, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons; Motlanthe, Jesse B. Awalt, 2009, gemeinfrei, via Wikimedia Commons; Toivo ja Toivo, Namibia Media Initiative, 2012, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.
Nelson Mandela auf Robben Island
Die Robben Island Tour
Die Geschichte von Robben Island